Zur
Ortsgeschichte


Das Jahr der Ortsgründung kennen wir nicht. Obwohl der Ort einen altsorbischen Namen hat (bukava = Buchenwasser), ist er eine Gründung fränkischer Siedler im 13. Jahrhundert. Bockau war ein Waldhufendorf und gehörte zur Herrschaft Schwarzenberg.

Die Lage in einem Seitental der Mulde inmitten dichter Wälder hat den Ort geschützt, aber auch isoliert. Die ältesten Erwerbszweige waren Landwirtschaft, Waldarbeit, Holzverarbeitung und Bergbau. Seit dem 17. Jahrhundert spielten die Arzneiherstellung und der Handel damit eine Rolle, vor allem durch den Anbau von Angelica (Engelwurz).Hier hat die noch heute existierende Likörherstellung ihren Ursprung. Als Hausindustrie kamen in der Vergangenheit hinzu das Gewinnen von Schwefelsäure, das Korbmachen, das Handschuh- und Hemdennähen und das Klöppeln. Mit der Industrialisierung wurden Fabriken und Aue und nach dem 2.Weltkrieg die Wismut Hauptarbeitgeber. Heute arbeiten viele Bockauer in Baubetrieben und in Dienstleistungsunternehmen. Über die Lage der Bevölkerung geben die Kirchenbücher Auskunft, etwa über Teuerungen, Hungersnot, Pest- und Kriegszeiten, Kinderarbeit und hohe Kindersterblichkeit bis ins 20. Jahrhundert hinein. Wir lesen von Opfern des Dreissigjährigen Krieges und der verheerenden Hungersnot 1771 / 72, in der von 1200 Einwohnern 220 starben.

Wir erfahren von tragischen Schicksalen, vom Mord am Ortsrichter Melchior Friedrich 1616 durch einen armen Löffelmacher, vom Tod eines Lehrlings, der 1744 an den Schlägen seines Meisters starb, vom Ende des Jägerburschen Johann John, der 1828 von Wilderern erschossen wurde, oder vom Sterben eines Kindes 1773, das nach der Hungersnot elternlos herumirrte.

Nachdem Bockau anfangs zum Kirchenspiel Schwarzenberg und dann zu Aue gehörte, bekam es 1678 einen eigenen Pfarrer. Damals hatte Bockau etwa 900 Einwohner. Die Einwohnerzahl stieg dann ständig und erreichte nach dem 2. Weltkrieg durch Vertriebene und Wismutarbeiter den Stand von über 6000 Einwohnern. Ab 1957 bis 1999 sank diese Zahl wieder auf 2838. Davon gehört die Mehrzahl zu unserer Kirchgemeinde. Christen treffen sich außer in unserer Kirche noch in der ev.-meth. Christuskirche und in der zu unserer Landeskirche gehörenden Landeskirchlichen Gemeinschaft.

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