Miniatursiedlungsanlage "Gretels Ruh"

Für viele Bockauer und Wanderfreunde ist die "Gretels Ruh" an der Kreuzung Dorfbachweg und Kohlweg ein viel und gern besuchter Ort in der waldreichen Umgebung unserer Gemeinde. Es sind nicht nur die wundervollen lauschigen Plätzchen zum Ausruhen, die die "Gretels Ruh" so beliebt machen, sondern vor allem auch die Miniaturdarstellung eines alten Pochwerks aus der Frühzeit der Erzgewinnung in unserem Gebirge und anderer historischer Gebäude unseres Ortes, die man schon seit einigen Jahrzehnten direkt am Dorfbach bewundern kann.

Natürlich gibt es diesen beschaulichen Rastplatz schon sehr lange. Im Zuge des forstlichen Wegebaus mag es sich ergeben haben, dass der Tochter des Oberförsters Meschwitz, die Margarete hieß, dieser Ort am plätschernden Gebirgsbach so git gefiel, dass sie sich ihn bei Spaziergängen als Lieblingsrastplatz auserwählte. Mit der Zeit bürgert sich die Bezeichnung in Forstkreisen und bei der Bevölkerung allgemein ein. Was die "Gretels Ruh" allerdings noch heutzutage so anziehend macht, sind die verschiedenen Anlagen, die von Naturfreunden geschaffen wurden.

Die ersten Initiativen gingen von den Natur- und Heimatfreunden aus, einer Sektion des nach dem 2. Weltkrieg gegründeten Deutschen Kulturbundes. Diese Vereinigung begeisterter Heimatfreunde, damals unter der Leitung von Lothar Dietel, ging in den 50er Jahren daran, aus der "Gretels Ruh" ein Naherholungsgebiet für die Bockauer zu machen. Das dafür ausgearbeitet Konzept beinhaltete die Aufstellung weiterer Ruhebänke und eines Tisches, den Bau eines Kinderspielplatzes mit Schaukel, Wippe und Sandkasten und die Schaffung einer Schauanlage mit Miniaturgebäuden unseres Ortes. In späteren Jahren entschlossen sich die Natur- und Heimatfreunde, die noch heute existierende Schutzhütte zu errichten. Das war die letzte bauliche Maßnahme in die Waldidylle. Zur Einweihung der erstgenannten Anlage wurde damals ein erlebnisbetontes Waldfest organisiert, an dem die Bevölkerung großen Anteil nahm.

Hauptinitiator und zentrale Person war der Polsterer und Sattlermeister Walter Siegel, der am Gemeindeplatz sein Wohn- und Geschäftshaus hatte. Er war zeitlebens ein leidenschaftlicher Bastler gewesen. Berühmt war beispielsweise sein selbst geschaffener mechanisch betriebener Weihnachtsberg, den er alljährlich zur Weihnachtszeit in seinem Wohnzimmer präsentierte. Im Jahre 1958 suchte er sich im Einvernehmen mit den Natur- und Heimatfreunden des Terrain am Dorfbach aus, um vor allem die Arbeitsweise eines historischen Pochwerks anschaulich darzustellen. Mit Hilfe der Wasserkraft des Dorfbaches hat er nicht nur dieses Pochwerk zum Laufen gebracht. Jahrelang konnte man schon von weitem auch das helle Klingen einer Glocke vernehmen, die auf dem Dach des Pochwerks angebracht war. Selbst einen Feuerwehrmann stellte er dar, der seine Spritze mit einem Wasserstrahl auf ein brennendes Haus richtete. Ebenso schuf er eine Reihe bekannter Gebäude unseres Ortes und der nahen Umgebung im Kleinformat wie Kirche mit Pfarrhaus, den Morgenleithe-Turm, namhafte alte Bauerngüter mit Mühlen, Siedlungshäuser und das Huthaus der St. Johannis-Fundgrube. Die meisten Gebäude sind allerdings nach 40 Jahren dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Walter Siegel war nicht nur der Schöpfer dieser sehenswerten Anlage, er betreute sie auch jahrelang. Da er kein Fahrzeug besaß, passierte es nicht selten, dass er zweimal am Tag zu Fuß zur "Gretels Ruh" ging, um nach den Rechten zu sehen.

Als Walter Siegel 1969 starb, haben ihm die Bockauer Natur- und Heimatfreunde, denen er lange Jahre angehörte, an seinem Grab das Versprechen gegeben, sein begonnes Werk fortzusetzen. Vor allem war es der aktive Heimatfreund Manfred Singer, der sich jahrzehntelang voll verantwortlich fühlte, dass die Schauanlage an der "Gretels Ruh" jedes Jahr von neuem zu besichtigen war. Er reparierte einzelne Gebäude, hielt das Wasserrad funktionstüchtig und sorgte für Ordnung im gesamten Gelände, in den letzten Jahren auch mit Hilfe des Heimatfreundes Claus Georgi. Der Erzgebirgszweigverein Bockau, der sich als Rechtsnachfolger der Anlage betrachtete, war immer sehr froh und dankbar darüber, dass sich einzelne Heimatfreunde son intensiv der Anlage an der "Gretels Ruh" widmeten.

So begrüßte der Verein auch die Tatsache, dass sich seit 1996 einige Arbeitssuchende um den Fortbestand der Schauanlage kümmerten. Sie säuberten das Gelände, errichteten einen neue Umzäunung und erneuerten die Mauern an den Wasserläufen von Dorfbach und Wolfstränkbächel. Außerdem wurde eine ganze Reihe von Gebäuden neu nachgebaut.

Wer jetzt als Wanderer oder Spaziergänger an der "Gretels Ruh" vorüberkommt, kann sich wahrlich freunen an dem mit viel Liebe und Akribie erneuerten Kleinod mitten im Erzgebirgswald. Seit dem Tod von Heimafreund Manfred Singer im März 1999 ist dieses Fleckchen Erde etwas verwaist. Dankeswerterweise sieht einer der ehemaligen Mitarbeiter, der Heimatfreund Jürgen Schmidt, immer einmal danach, ob alles läuft und in Ordnung ist.

Am 17. Mai 2008 feierte die Miniaturschauanlage "Gretels Ruh" ihr 50-jähriges Bestehen. Zuvor wurden die Gebäude generalüberholt und erstrahlen nunmehr in neuem Glanz. Auch wurden wieder neue kleine Detailarbeiten hinzugefügt, so dass dieses Kleinod dem Natur- und Wanderfreund Anreiz gibt dort ein paar Augenblicke zu verweilen.